Verbund

Österreich

Stromverbrauch gestiegen  [Geprüfter Inhalt]

In den ersten drei Quartalen 2003 war ein überraschend hoher Stromverbrauchszuwachs zu verzeichnen. So wurden zwischen Jänner und September knapp 46 TWh verbraucht; um 3,4 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Von April bis Juni wurde um 2,5 % mehr Strom konsumiert als im Vorjahr. Und im Sommer lag der Stromverbrauch schließlich um 2,2 % über dem Vorjahr, mit einem deutlichen Plus von 3,2 % im heißen August. Verantwortlich dafür zeichneten die extrem kühlen Wintermonate, der vermehrte Einsatz von Klimageräten in den Hitzeperioden sowie der höhere Stromverbrauch der Industrie. In Summe lag Österreich im Stromverbrauchszuwachs innerhalb der EU neben Griechenland, Finnland, Frankreich und den Niederlanden im vordersten Feld. Eines zeichnet sich deutlich ab: Der Strombedarf wird mittelfristig weiter steigen. Die im Auftrag der E-Control vom WIFO erstellte Bedarfsprognose geht von einer jährlichen Zunahme von 1,7 % aus.

Versorgungssicherheit gewährleisten  [Geprüfter Inhalt]

Der steigende Strombedarf und der weiterhin forcierte Ausbau erneuerbarer Energieformen mit stark schwankendem Erzeugungsoutput rückten das Thema der Versorgungssicherheit auch in Österreich verstärkt in den Vordergrund. Das größte Problem sind die seit Jahren unterdimensionierten Übertragungsnetze für den Stromtransport von den Erzeugungszentren im Norden zu den großen Verbrauchern im Süden. Zusätzlich wurde diese Situation im Sommer durch die große Hitze und niedrigen Pegelstände der Flüsse verschärft. Der Ausfall der Leitung Ungarn - Kroatien führte im August zu einer weiteren extremen Belastung des österreichischen Netzes.

Um in Zukunft Engpässe zu vermeiden, existieren seit langem konkrete Pläne für einen entsprechenden Ausbau der Stromnetze und die Schaffung ausreichender Netzkapazitäten. Von zentraler Bedeutung sind die Bauvorhaben zur Schließung der 380-kV-Leitungslücken in der Südsteiermark und Salzburg. Gerade im Hinblick auf den verstärkten Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien stellt der 380-kV-Ring das lebensnotwendige "Rückgrat" für eine gesicherte Stromversorgung dar.

Handel mit Emissionszertifikaten  [Geprüfter Inhalt]

Am 16.09.2003 beschloß das Europäische Parlament die Richtlinie für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten. Sie beinhaltet die Schaffung eines Gemeinschaftssystems zur kostengünstigen und wirtschaftlich effizienten Verringerung von Treibhausgasemissionen. Als Mitgliedsstaat mußte Österreich bis 31.12.2003 Rechts- und Verwaltungsvorschriften zur Erfüllung der Richtlinie in Kraft setzen. Bis 31.03.2004 müssen nationale Emissionsallokationspläne erstellt werden. Diese definieren, wieviele Emissionsrechte den einzelnen Unternehmen oder Anlagen zugestanden beziehungsweise welche Minderungsverpflichtungen auferlegt werden. Österreich verpflichtete sich im Rahmen des Kyoto-Prozesses zu einer Treibhausgasreduktion um 13 %. Um dieses sehr ambitionierte Ziel zu erreichen, traf die Elektrizitätswirtschaft bereits in der Vergangenheit umfangreiche Umweltschutzmaßnahmen und wird diese auch in Zukunft aktiv fördern. Im Vergleich zu den EU-15 ist der Anteil der erneuerbaren Energien in Österreich bereits sehr hoch.

Systemnutzungstarife gesenkt  [Geprüfter Inhalt]

Österreich gehört mit einer 100%igen Marktöffnung, einem Regulator und klar definierten Wettbewerbsspielregeln zu den Vorreitern der Liberalisierung in Europa. Nach der Volliberalisierung des heimischen Strom- und Gasmarkts ergriffen die Behörden weitere Maßnahmen zur Gewährleistung beziehungsweise Stärkung des Wettbewerbs. So senkte die E-Control mit 01.11.2003 die Systemnutzungstarife in Österreich für Businesskunden durchschnittlich um 2,5 % (Netzebene 3) bis 4,1 % (Netzebene 5), für Privatkunden um 4,2 %. Damit setzte sie einen weiteren Schritt zur Harmonisierung der Netztarife innerhalb Österreichs.

Nach zweieinhalb Jahren Volliberalisierung präsentiert sich der heimische Strommarkt allerdings nach wie vor als fragmentierter und heterogener Markt. Der Konsolidierungstrend wird sich in Österreich, um im europäischen Branchenumfeld mittel- und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, künftig beschleunigen.