Das Jahr stand im Zeichen einer Serie von Stromausfällen, die in ihrer Häufigkeit und Großflächigkeit bisher unbekannte Ausmaße annahmen. Eingeleitet wurden diese Ausfälle am 14.08.2003 in Amerika, wo große Teile der Ostküste der USA und Teile Kanadas betroffen waren. Rund 50 Mio. Menschen blieben stundenlang ohne Strom.
Am 29.08.2003 legte ein Blackout in London große Teile der britischen Hauptstadt lahm; rund 500.000 Menschen waren davon betroffen. Am 23.09.2003 fiel in Südschweden und in Dänemark für etwa vier Mio. Menschen die Stromversorgung aus. Der größte Zusammenbruch aber betraf in den frühen Morgenstunden des 28.09.2003 nahezu ganz Italien. Während dieses größten Stromausfalls Europas nach dem 2. Weltkrieg waren 57 Mio. Menschen ohne Strom.
Die konkreten Ursachen dieser Ausfälle wurden eingehend untersucht. Die unmittelbaren Auslöser waren zwar unterschiedlich, aber im Wesentlichen gilt, daß viele Leitungen des europäischen und österreichischen Stromnetzes bereits die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben.
So konnte in Österreich am 27.08.2003 ein Zusammenbruch nur knapp vermieden werden. Durch einen Ausfall der 380-kV-Leitung zwischen Ungarn und Kroatien (Heviz-Tumbri) kam es zu einem Lastanstieg beim Nord-Süd-Transit durch das Übertragungsnetz des Verbund, der dazu führte, daß die beiden Leitungen nach Tschechien wegen Überlastung automatisch abgeschaltet wurden. Wäre dies zur Zeit eines höheren Verbrauchspegels, zum Beispiel im Winter, erfolgt, wären große Teile des österreichischen Stromnetzes Gefahr gelaufen, auszufallen.
Für die Zukunft kommt dazu, daß die massive Zunahme von dezentralen Windkraftanlagen das Netz zusätzlich belastet. Laut einer von der Energie-Control GmbH in Auftrag gegebenen Studie über die Auswirkungen des Windkraftausbaus in Österreich muß man bis Ende 2008 mit einer installierten Leistung von 700 MW bis 1.700 MW im gesamten Bundesgebiet rechnen. Der Großteil der Windkraftanlagen wird in Niederösterreich und Burgenland errichtet.
Windkraft kann nur an dafür günstigen Standorten erzeugt werden und hängt natürlich vom jeweiligen Windaufkommen ab. Dies führt zu Schwankungen in der Erzeugung, die zum Beispiel aus österreichischen Speicherkraftwerken ausgeglichen werden muß. Um den Strom schließlich reibungslos zu den Verbrauchern zu liefern, braucht man ein leistungsfähiges Übertragungsnetz. Besonders die schwächeren Nord-Süd-Verbindungen in Österreich arbeiten bereits an der Grenze der Ausfallsicherheit. Deshalb ist die rasche Fertigstellung eines 380-kV-Hochspannungsrings für die Versorgungssicherheit dringend notwendig. Erreicht wird dies durch zwei Leitungsbauprojekte:
Für den 380-kV-Lückenschluß zwischen den Umspannwerken Südburgenland (Burgenland) und Kainachtal (Steiermark) konnten wesentliche Fortschritte erzielt werden. Die Vermessung der Trasse wurde vollständig abgeschlossen. Hand in Hand erfolgte die Einigung mit den Landeslandwirtschaftskammern der betroffenen Bundesländer. Die planmäßige Einreichung zur Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgte mit Jahresende. Auch für das zweite fehlende Glied im 380-kV-Ring, die Leitungsverbindung von St. Peter (Oberösterreich) nach UW Salzach Neu (Salzburg), ist mit dem weitgehenden Abschluß der technischen Planung von einem erfreulichen Fortschritt zu berichten.