Start > Management > Bericht des Vorstandes

Bericht des Vorstandes

Sehr geehrte Aktionäre,

2003 war für den Verbund und damit für Sie als Miteigentümer ein sehr erfolgreiches Jahr, obwohl das Branchenumfeld im Laufe der Monate einige turbulente Entwicklungen durchlief. Aber der Erfolg unseres Unternehmens liefert den besten Beweis, daß unsere Strategie – Konzentration auf das Kerngeschäft Strom, Fokussierung auf die umweltfreundliche Wasserkraft, starke Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten und konsequente Restrukturierung – die richtige Antwort auf die Strommarktliberalisierung ist. Mehr noch, wir sind überzeugt, daß die Weiterentwicklung des regulatorischen Umfelds, die Stromausfälle in Teilen Europas oder das klare Bekenntnis zum Klimaschutz zu einer völligen Neuausrichtung der europäischen Strombranche führen. Doch wie schon in der Vergangenheit gehören wir zu den Unternehmen, die diese neuen Herausforderungen am schnellsten annehmen und die sich ergebenden Chancen optimal nutzen.

Thema Nummer eins auf europäischer Ebene war sicher die Versorgungssicherheit. Nach den spektakulären Stromausfällen in mehreren Ländern Europas kristallisierte sich klar heraus: Um die Versorgungssicherheit bei steigendem Strombedarf auch in Zukunft zu garantieren, sind höhere Investitionen in Kraftwerke und Netze unerläßlich. Dies erscheint umso wichtiger, weil viele Stromversorger aufgrund des massiven Strompreisverfalls seit Beginn der Deregulierung ihre Investitionstätigkeiten stark reduzierten. Im Gegenzug schnürte die europäische Kommission ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Dieses stattet die Länder der EU mit Befugnissen aus, Stromversorger zu verpflichten, entsprechend der Nachfrage ausreichend Strom zu erzeugen beziehungsweise Leitungsengpässe zu beseitigen. Zusätzlich sollen die Mitgliedsstaaten die Stromunternehmen mit finanziellen Vergünstigungen zu erhöhten Investitionen motivieren. Der Verbund erhielt damit den nötigen Rückenwind für die Schließung des heimischen 380-kV-Leitungsnetzes und den Neubau von Kraftwerken.

Ein weiteres bedeutendes Ereignis stellte das klare Bekenntnis der EU zum freien europäischen Strommarkt dar. Um hier eine vollständige und damit weit schnellere Liberalisierung als ursprünglich geplant durchzusetzen, erließ die europäische Kommission neue Bestimmungen. Diesen zufolge werden alle Nicht-Haushaltskunden ihren Stromlieferanten bereits ab 01.07.2004 frei wählen können. Zusätzlich wird der gesamte europäische Strommarkt mit 01.07.2007 zu 100 % liberalisiert sein. Oder anders ausgedrückt: Konnten sich bisher nur die Stromkonsumenten in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland, Österreich, Spanien und Dänemark frei für einen Lieferanten entscheiden, so gilt dies ab diesem Zeitpunkt für den gesamten EU-Raum. Mit der vollständigen Liberalisierung herrschen gleiche Ausgangsbedingungen für alle Stromversorger in Europa; die bis dahin existierende Marktverzerrung wird beseitigt. Für den Verbund ergeben sich daraus zunehmend neue Chancen. Schon heute verkaufen wir mehr als 50 % unseres Stroms auf ausländischen Märkten.

Die EU bekannte sich auch zum umfassenden Klimaschutz. Deshalb entschloß sie sich, die Vorgaben aus dem Kyoto-Protokoll zur Reduktion der weltweiten Treibhausgase noch vor Inkrafttreten umzusetzen. Die Folgen für den Verbund können erst nach Vorliegen des Emissionszertifikategesetzes und des nationalen Allokationsplanes abgeschätzt werden. Experten erwarten jedenfalls, daß dieser Schritt für die Stromversorgungsunternehmen zu erheblichen Kostensteigerungen und damit zu STROMPREISErhöhungen führen wird. Der Verbund als überwiegender Wasserkrafterzeuger verursacht nur einen geringen Ausstoß von Treibhausgasen und wird von der immer größer werdenden Differenz zwischen sinkenden Erzeugungskosten und steigenden Großhandelspreisen profitieren. Bei der thermischen Erzeugung kann es allerdings zu starken zusätzlichen Belastungen kommen.

Die in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Wassermenge der heimischen Flüsse sank 2003 auf ein historisch niedriges Niveau. Während sich die Wasserführung im ersten Quartal hervorragend entwickelte, nahm sie im Laufe des Jahres kontinuierlich ab und erreichte nur 87 % der durchschnittlichen Jahresmenge. In der Folge stand zur Vermarktung weniger kostengünstiger Wasserkraftstrom zur Verfügung als in den Jahren zuvor. Zwar konnte ein Teil der Produktionsausfälle durch höhere Speicher- und vor allem thermische Erzeugung kompensiert werden, dennoch mußten die Fehlmengen an den internationalen Beschaffungsmärkten zu höheren Preisen zugekauft werden. Dies beeinflußte das Ergebnis leider negativ.

Äußerst positiv hingegen entwickelte sich das für den Verbund maßgebliche Großhandelspreisniveau. Sowohl die kurzfristigen Spotmarkt-Preise als auch die mittelfristigen Forward-Preise stiegen beträchtlich. Die höheren Spotmarktpreise wurden auf die Stromknappheit infolge des heißen Sommers zurückgeführt. Die Forward-Preise stiegen vor allem aufgrund der sinkenden europäischen Reservekapazitäten, der Erhöhung der Preise für Primärenergieträger und der erwarteten zusätzlichen Kosten im Zusammenhang mit der Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen. Das hohe Preisniveau konnte der Verbund bereits zum Teil nutzen und wird in den kommenden Jahren erheblich davon profitieren.

Last but not least wurde auch die Konsolidierung des heimischen Strommarkts durch die Österreichische Stromlösung (ÖSL) vorangetrieben. Diese erhielt im Juni 2003 von der europäischen Kartellbehörde grünes Licht. Allerdings müssen noch Auflagen erfüllt werden. Die Österreichische Stromlösung würde den Verbund unter die Top Ten der europäischen Versorger reihen und jährlich Synergien in Höhe von rund 40 Mio. € bringen. Bereits im Vorfeld bezogen die Partnergesellschaften der EnergieAllianz höhere Mengen an umweltfreundlich erzeugtem Wasserkraftstrom vom Verbund.

Zusammenfassend kann gesagt werden, es ist uns gelungen, trotz stark gesunkener Erzeugung ein gutes Ergebnis zu erzielen. Der Umsatz stieg um 19,6 % auf 2.478,1 Mio. €, was vor allem auf den weiter erfolgreichen Ausbau der Vertriebsaktivitäten in Österreich und die neuerlichen Erfolge in den europäischen Kernmärkten zurückzuführen ist. Das operative Ergebnis ist geringfügig um 2,9 % auf 321,6 Mio. € gesunken. Hier machten sich vor allem die signifikant schlechtere Wasserführung (gegenüber einem durchschnittlichen Wasserdargebot eine Belastung von 47 Mio. €) und die zusätzlichen Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen für 2004 (Belastungen für Vorruhestände von 34 Mio. €) bemerkbar. Positiv wirkte sich das gestiegene Großhandelspreisniveau aus.

Die konsequent vorangetriebene Entschuldung – 2003 wurden 555,3 Mio. € Schulden getilgt – verbesserte das Konzernergebnis um 29,2 % auf 200,1 Mio. €. Das entspricht einem Gewinn je Aktie von 6,51 € im Vergleich zu 5,03 € im Jahr 2002. Auch das Net Gearing konnte erneut deutlich auf 160,5 % verbessert werden. Diese Zahlen bestätigen die eingeschlagene Strategie des Konzerns eindrucksvoll.

Die Erfolge sollen auch den Aktionären der Verbundgesellschaft zugute kommen. Deshalb schlagen wir, ohne das Ziel der weiteren Entschuldung des Konzerns zu vernachlässigen, der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende um 42,9 % von 1,40 € auf 2,00 €, davon 0,20 € als Bonus, vor. Die Ausschüttungsrate beträgt damit 31,1 %, die Dividendenrendite wird von 1,7 % auf 2,2 % erhöht.

Neben der Erhöhung der Dividende konnte auch das Eigenkapital erheblich gestärkt werden. Eine Zuführung in Höhe von 174,6 Mio. €, im Wesentlichen aus den verbleibenden Gewinnen, erhöhte das Eigenkapital auf 1.437,6 Mio. €. Damit wurde die Kapitalstruktur erneut verbessert und der innere Werteaufbau vorangetrieben.

Sehr geehrte Aktionäre, wir sind überzeugt, daß die vorliegende Bilanz eine deutliche Sprache spricht und klar dokumentiert, wir haben unseren Konzern sicher durch so manche turbulente Situation geführt. Dennoch, ein Unternehmen steht und fällt mit seinen Mitarbeitern. Ihr Können, ihr Wissen und ihr Engagement haben wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen. Deshalb möchten wir uns an dieser Stelle bei ihnen bedanken.

Dipl.-Ing. Hans Haider Dr. Michael Pistauer Dr. Johann Sereinig

> Rahmenbedingungen
> Schwerpunkt Nachhaltigkeit
> Corporate Governance
> Geschäftspolitische Risiken und Ziele
> Gewinn- und Verlustrechnung
> Organe
 
 

Managementporträt


Dipl.-Ing. Hans Haider
Vorsitzender
des Vorstandes
Dr. Michael Pistauer
Stv. Vorsitzender
des Vorstandes
Dr. Johann Seireinig
Mitglied
des Vorstandes
     
Erzeugung
Neue Geschäfte/Beteiligungen
Kommunikation
Übertragung
Controlling/Finanzen
Investor Relations
Handel/Vertrieb
Marketing
Personalmanagement
 

Alle Online-Berichte Alle Online-Berichte   Bericht Bewerten Bericht Bewerten   Disclaimer Disclaimer   Impressum Impressum